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Fliegen

Der Blick vom 112er auf der verstauten Reeperbahn. Menschenmassen schieben sich durch. Dazwischen sitzen, liegen, wanken an den Rand Gespülte auf den Gehsteigen, hängen Träumen nach, halten Hände, Büchsen hoch. Tauben durchgrasen einen schmalen Wiesenstreifen im Baumschatten, schlucken wie im Wettkampf die Überbleibsel der Nacht. Wirken wie zu klein geratene Schafe im tarngrauen Sommerfell, eine ausgebüxte Herde, die sich im verbotenen Nachbarfeld den Bauch vollschlägt. Links und rechts Jäger und Gejagte in Lauerstellung, hoffen, dass die fliegenden Lämmer ihre Flügel vergessen in ihrer Sucht nach Zuckerbröseln und Pommesresten. Hoffen, dass sich das Fett gut um das dürre Gerippe wickelt, unter den Federnberg mantelt, sie schwer und träge macht, leicht zu fangen. Die Mägen knurren, die Säfte fließen, sehen sich schon im Verdauungsschlaf federleicht über der Welt schweben, in hohem Bogen Runden ziehen, für ein paar Stunden aus allen Zumutungen entfliehen. Mittendrin lässt ein Kind seinen goldenen Luftballon los, jubelt ihm begeistert hinterher. Ein müder Schmetterling nützt die Gelegenheit, wird exklusiver Passagier dieser Himmelfahrt.


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