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Das Stipendium "Stadtschreiberin"

In Bergedorf gab es vor zehn Jahren den Literaturwettbewerb „AstroArt“, an dem Autoren aus ganz Europa teilgenommen haben. 2013 wurde er mit dem Stipendium „Schlossschreiber“ ergänzt, die Gewinnerin, der Gewinner bekam damit einen Platz im Bergedorfer Schloss und die Möglichkeit, dort zu schreiben.

 

Die Veranstalter, Ella Marouche und Huug van ‘t Hoff, sorgten 2016 dafür, dass aus dem Schlossschreiber-Stipendium „Hamburger Gast“ wurde, denn was in Bergedorf klappt, könnte man genauso gut auf ganz Hamburg ausdehnen. Nun waren drei Monate Schreibfreiheit in Hamburg zu gewinnen.

 

2019 änderte sich auch dieses Stipendium, es wurde von drei auf vier Monate verlängert. Damit gewann es an Bedeutung – und sah sich der Anforderung gegenübergestellt, dass nun ein Stipendiat vier Monate lang nach Hamburg ziehen sollte.

 

Ich wurde „Hamburger Gast 2019“, richtete eine Website ein, nannte mich Stadtschreiberin, startete einen Blog und hatte eine phantastische Zeit.

 

Die Veranstalter, die dereinst mit Herz und Seele und sehr viel Pionierarbeit mit „AstroArt“ angefangen hatten, meinten, man solle aufhören, wenn es am Schönsten ist, und zogen 2020 ins Ruhrgebiet um.

 

Wer oder was sollte auf mich folgen? Hatte ich das letzte Wort geschrieben, die letzte Lesung gehalten, war’s das mit dem Stipendium?

Einige Sponsoren kamen auf mich zu, ob ich vielleicht... ? Wäre doch schade... Gibt es eine Möglichkeit?

 

Es gibt immer eine Möglichkeit.

Es gab viele Gespräche, viele Treffen, unerwartet viele helfende Hände. Die Museen öffneten sich, die Universität, ein neuer Name wurde gefunden – Professor Klar: Nenne es doch einfach Stadtschreiberin (sic!).

Das Resultat: das Projekt setzt sich als Stadtschreiberin fort, als Thema setzten wir den Slogan Kunst verbindet. Es war einfach zu wertvoll und zu schön, um wortlos im Elbsand zu versinken.

 

Heute gibt es zwei engagierte Schirmherrinnen, eine große Eröffnungsfeier in der Galerie der Gegenwart, eine hochkarätige Moderation, viele Projekte in Museen, Theatern, auf der Straße und in Buchläden. Zwar kam Corona dazwischen, aber wir haben entschieden: jetzt erst recht. Wir brauchen Kunst, wir brauchen Literatur, wir setzen ein Zeichen.

Oder viele Zeichen. Oder ein ganzes Buch. Ein Buch mit vielen Zeichen setzen, ja, das wäre was.